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„Nun“,
zögert Erlend und umschreibt es dann so: „als wir die erste
Scheibe
veröffentlicht hatten, wendete ich mich anderen musikalischen
Stilrichtungen zu, die mich zwar interessierten, die ich mit den Kings
aber nicht realisieren konnte. Es kam hinzu, daß Eirik von dem
typischen Musikantenleben ausgelaugt war. Ich musste etwas tun, weil
ich in Bergen ansonsten verrückt geworden wäre. Irgendwann
bin ich dann
nach Berlin geraten, und entschloss mich, mich dort niederzulassen.
Ehrlich gesagt, ließ ich mich einfach dahin treiben, wohin der
Wind
mich trug.“
Bereits
zur ersten CD erzählte Erlend – damals alleine auf Promo-Tour –
dass sein Kompagnon Eirik das Musikantenleben und das damit verbundene
Herumreisen nicht so mochte.
„Eirik
wollte einfach nicht so unbedingt Musik machen, wie ich das
wollte“, räumt Erlend schließlich ein, „er will es auch
nicht
vollzeitmäßig machen. Musik ist nicht seine oberste
Priorität. Ich
denke, dass das, was für ihn am wichtigsten ist, die Liebe ist.“
Was
z.B. erklärt, dass Eirik’s Freundin stets auf den KOC Covers
abgebildet ist. Musikalisch passiert auf der neuen CD Einiges. Es gibt
zusätzlich zu den akustischen Gitarren z.B. auch elektrische, dann
noch
Trompete, Banjo, Keyboards und Drums, die von den Kings alle selber
eingespielt wurden. Die neuen Stücke sind auch sehr viel
rhythmischer
geraten, als die vom Debüt. Hat das etwas mit Erlend’s Erfahrungen
bei
der Unrest-CD zu tun?
„Nicht
wirklich“, widerspricht Erlend, „wenn Du Dir den Cornelius-Remix
von 2001 anhörst, wirst Du feststellen, dass wir schon damals
Tanzmusik
machen konnten. Ich denke, wir haben das immer in uns gehabt – auch
dieser rhythmischere Ansatz beim Gitarrespielen. Das hängt damit
zusammen, daß wir zwischenzeitlich viel zusammen gespielt haben.
Andererseits beeinflusst sich ja musikalisch alles irgendwie. Wir
achten aber immer darauf, es auf unsere Kings-Art zu machen. Im Studio
gibt es ja viele Möglichkeiten, Dinge zu produzieren, die nix mit
Musik, sondern nur mit dem Computer zu tun haben. Das mag interessant
sein, klingt aber nicht mehr nach Musik. Wir wollten hingegen, dass
diese Scheibe klingt, als habe sie – theoretisch – vor 60 Jahren von
richtigen Musikern eingespielt werden können.“
Wie
sieht es denn mit dem Live-Vortrag aus? Werden die Kings da als Duo
weiter machen?
„Ich
weiß nicht“, zögert Erlend, „wir haben neulich mit einer
Band
geprobt und das klang verdammt gut. Was ich auf keinen Fall
möchte, ist
mit Samples oder Harddisks zu arbeiten. Ich liebe es immer, wenn im
Zusammenspiel mit Eirik auf der Bühne etwas Spannendes entsteht.
Und
ich möchte vor allem auch, dass Leute, die von Technik nichts
verstehen, trotzdem unsere Musik verstehen können. Mich selber
irritiert es immer, wenn ich Live-Musik sehe und etwas höre, von
dem
ich nicht weiß, wo es herkommt. Das ist immer so eine Art
Betrug.“
Wie
entstehen denn nun die KOC Songs? In einem Interview sagte Eirik ja
ein Mal, daß es leicht sei, eine Idee für einen Song zu
haben, aber
schwierig, diesen zu Ende zu schreiben. Das widerspricht dem, was viele
andere Songwriter sagen, daß nämlich der Anfang am
Schwierigsten sei.
„Nun,
Du musst Dir das so vorstellen“, führt Erlend aus, „es ist, als
ob Du ein leeres Blatt Papier vor Dir hast und einen Klecks darauf
machst. Das ist dann die Idee für den Song. Wohin der Klecks
verläuft,
wie Du ihn formst und was daraus wird ist aber vollkommen offen. Nimm
mal ein Bild von Jackson Pollock. Es ist sicher einfach, so ein Bild
neu anzufangen – es dann aber mit einer eigenen Identität zu Ende
zu
bringen, ist schon etwas Anderes. Es ist ja auch einfach, ein Buch
anzufangen – und wie viele Leute haben das bereits getan, ohne es dann
zu Ende zu schreiben. Mit Songs ist das genau so. Ich habe zum Beispiel
Tonnen von Ideen – ca. 50-60 – auf irgendwelchen Tapes verstreut.
Sicher sind da auch eingängige Melodien dabei – ganz ohne Zweifel.
Ich
habe aber nichts zu sagen. Und wenn ich nichts zu sagen habe, habe ich
nicht das Recht, Songs zu schreiben. Das gleiche gilt eigentlich auch
für Eirik.“
Wie
wird es denn mit den Kings weitergehen?
„Nun wir müssen mal sehen, wie sich die Sache in der
nächsten Zeit
entwickelt“, zögert Erlend, „die Songs auf der CD sind alle recht
alt.
Wir haben darüber hinaus noch 5 oder 6 Songs, die mehr oder minder
fertig sind. Es wird interessant sein, zu sehen, wie die nächsten
Songs
entstehen.“
Wenn Eirik denn mitmacht, heißt das wohl. Aber Erlend Oye kann ja
auch
ohne seinen Kumpel: „Nun, ich werde auf jeden Fall auch mal eine
Scheibe mit elektronischer Instrumentalmusik machen“, verrät
Erlend.
„Ich mag nämlich Instrumental-Tracks sehr. Der Grund, warum ich
bisher
immer darauf singe, ist der, dass ich bislang nichts anderes gemacht
habe und mich dabei wohl fühlte. Aber das wird gewiss eine
Herausforderung sein.“
Aktuelles Album: Riot On An Empty Street (Source/Labels/EMI)
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